Auf ein Wort … mit Daniel Menge

Der ESV Kaufbeuren hat den Vertrag mit seinem langjährigen Spieler Daniel Menge nicht verlängert. Die Entscheidung sorgte für Aufsehen, stand der torgefährliche und spielstarke Stürmer doch in mehr als dreihundert Partien erfolgreich für den ESVK auf dem Eis. Zudem wurden hinter vorgehaltener Hand Gerüchte kolportiert. Grund genug, Daniel Menge zu Wort kommen zu lassen und sich offen über seinen Abschied aus Kaufbeuren zu unterhalten.

Daniel, es lief beim ESVK beileibe nicht immer rund, jedoch wurde auch heuer der Klassenerhalt unter Dach und Fach gebracht. Das stellt in einer sich zunehmend professionalisierenden DEL2 keine Selbstverständlichkeit dar.

Der Klassenerhalt war enorm wichtig und ich würde seine Bedeutung sogar noch höher ansiedeln als im Vorjahr. Das neue Stadion rückt immer näher und der Verbleib in der DEL2 ist geradezu ein Muss, um weiterhin professionelles Eishockey anbieten zu können. Kaufbeuren hat Profieishockey verdient. Man kann das am besten an seinen treuen Fans ablesen. Die Leute zieht es ins Stadion und sie halten dem Verein selbst bei Niederlagenserien die Stange. Auch bei den Gesellschaftern ist viel guter Wille und großes Engagement im Spiel. Die wollen den ESVK voranbringen.

Das zurückliegende Spieljahr war von Höhen und Tiefen geprägt. Wie fällt Deine persönliche Bilanz aus?

Sehr ernüchternd, jedoch tröstet das versöhnliche Ende mit dem erkämpften Klassenerhalt. In Vollbesetzung hätte unser Kader um die Playoffs mitspielen können, was wir anfangs auch immer wieder unter Beweis stellen konnten. Als dann die Niederlagenserie begann, haben viele ihr eigenes Süppchen gekocht und die Schuld bei ihrem Gegenüber gesucht, anstatt gemeinschaftliche Lösungen anzustreben. Es hat uns aber auch sehr zu schaffen gemacht, dass viele Spieler angeschlagen waren und unsere Verletztenliste immer länger wurde, ohne dass Ersatz kam. Der Teamgedanke fiel langsam in sich zusammen.

Trotzdem kannst Du auf überragende Jahre beim ESVK zurückblicken. Du hast mehr als dreihundert Spiele im rotgelben Dress absolviert, warst Topscorer, Sturmführer und Publikumsliebling.

Der ESV Kaufbeuren ist der Verein, für den ich in meiner Karriere am längsten spielen durfte. Ich habe in Kaufbeuren eine sehr schöne Zeit verbracht und viele Freunde gefunden. Es hat mir sehr großen Spaß gemacht, für ein Publikum zu spielen, das immer voll hinter seiner Mannschaft steht. Dafür möchte ich mich bedanken.

Aber auch Du hast dem Kaufbeurer Publikum sehr viel gegeben.

Ich hatte über all die Jahre immer wieder Angebote von Vereinen, bei denen ich deutlich mehr verdient und auch größere Aussichten auf sportlichen Erfolg gehabt hätte. Die Freude, die ich in Kaufbeuren empfunden habe, hat das aber immer aufgewogen.

Obwohl Du einer der ganz großen Kaufbeurer Spieler des letzten Jahrzehnts bist, wurde Dein Vertrag nicht verlängert. In diesem Zusammenhang kamen Gerüchte auf, die Dir nicht unbedingt zum Vorteil gereichen.

Mir kam zu Ohren, dass ein paar meiner Mitspieler und ich dafür verantwortlich sein sollen, dass Trainer Mike Muller gehen musste. Das kann ich so nicht stehen lassen. Natürlich haben wir Führungsspieler viel gesprochen und gemeinsam nach Lösungen gesucht, um aus der Misere wieder herauszukommen. Führungsspieler tun das in Krisensituationen. Der Trainer und der Geschäftsführer waren aber immer voll informiert. Sie wussten um die schwierige Situation. Da fand nichts im Stillen statt und es gab auch keine geheimen Treffen. Alle, die in der schwierigen Zeit nahe an der Mannschaft waren, wissen das auch. Man hätte deshalb die aufkommenden Gerüchte schnellstmöglich aus der Welt schaffen müssen, als diese immer größere Dimensionen annahmen und nicht nur dem Trainer und Spielern, sondern indirekt auch dem Umfeld und dem ganzen Eishockeysport in Kaufbeuren zu schaden begannen.

Es hieß, Ihr hättet den Trainer loswerden wollen.

Nein. Im Gegenteil. Wir wollten mit ihm weitermachen.

Gerüchte sprachen auch davon, dass Du vorwiegend eigene Interessen verfolgt hättest.

Ich verdiene mit dem Eishockey meinen Lebensunterhalt und ich strebe den größtmöglichen sportlichen Erfolg an. Das sind bei einem Profisportler die vorrangigen Ziele. Wenn ich aber tatsächlich meine eigenen Interessen verfolgen würde, hätte ich dafür anderswo erfolgversprechendere Grundvoraussetzungen gefunden.

Als Profisportler muss man natürlich auch Kritik aushalten.

Jeder hat das Recht, Kritik an Spielern zu üben. Das bringt unser Job nun einmal mit sich. Als Profis müssen wir das akzeptieren und damit leben. Ich hatte im vergangenen Jahr aber zum ersten Mal das Gefühl, dass man den sportlichen Misserfolg fast ausschließlich den Spielern anlastete. Vielleicht täusche ich mich da. Ganz sicher aber kann ich sagen, dass keinem Spieler daran gelegen war, der Mannschaft Schaden zuzufügen. Charakterlich habe ich selten so gute Mannschaften getroffen, wie das in Kaufbeuren immer der Fall gewesen ist.

Du verlässt Kaufbeuren. Was geht in Dir vor?

Es ist schade, dass ich nicht mehr für den ESVK spiele. Trotzdem liegt es mir sehr am Herzen, dass sich in Kaufbeuren wieder sportlicher Erfolg einstellt und das untere Tabellendrittel bald nicht mehr mit dem ESVK in Verbindung steht. Das ist zweifellos machbar und zu schaffen.

Wohin geht Deine Reise? Hast Du schon konkrete Pläne?

Ich spiele mit dem Gedanken, als Profi aufzuhören und eine andere Arbeitsstelle zu suchen.

Daniel, besten Dank für das Gespräch und alles Gute auf Deinem weiteren Weg. Ich werde Dich vermissen.