Auf ein Wort … mit Paul Geddes

Paul Geddes wurde am 25. August 1964 in Prince George, British Columbia, geboren. Er spielte für die Calgary Canucks in der Juniorenliga und anschließend bis zu seinem Studienabschluss für die University of Calgary Dinos, ehe er 1987 zum SC Langnau in die Schweiz wechselte. Beim ESV Kaufbeuren machte sich der sympathische Kanadier als brandgefährlicher Torjäger und leidenschaftlicher Kämpfer viele Freunde. In den beiden Zweitligajahren, die sich von 1989 bis 1991 zwischen die goldenen Achtziger und die Rückkehr in die Bundesliga zwängten, gelangen ihm 112 Treffer und 87 Vorlagen. Der läuferisch starke Außen war ein vorbildlicher Sportsmann und als ausgesprochen fairer Spieler ein Gentleman auf dem Eis. Nach seinen Kaufbeurer Jahren spielte er in Deutschland auch noch für Peißenberg, Nürnberg, Landshut und Kassel. Heute lebt Paul Geddes in Calgary, Alberta. Er arbeitet in der Erdgas- und Ölindustrie und ist stolzer Vater dreier Töchter. Im Sommer 2017 wird er Großvater. Seine älteste Tochter, die ihre ersten beiden Lebensjahre in Kaufbeuren verbrachte, erwartet ein Kind.

Paul, nachdem Sie 1987 Ihre Prüfungen an der Universität von Calgary abgelegt hatten, entschlossen Sie sich zum Sprung über den Großen Teich. Warum wollten Sie in Europa Eishockey spielen?

Während meiner letzten Eishockeysaison an der Universität hatte ich das Glück, ins Team Canada für den Spengler Cup 1987 berufen zu werden. Das Turnier in Davos war ein verblüffendes Erlebnis. Ich verspürte so viel Spaß und ich traf so viele nette Menschen. Diese Erfahrung veranlasste mich, als Profi in Europa spielen zu wollen. Am Spengler Cup hatte ich Merlin Malinowski getroffen, der in Langnau spielte und mit seinem Team in die Nationalliga A aufgestiegen war. Sie suchten dort einen jungen und günstigen Importspieler und Merlin fragte mich, ob ich Interesse an der Aufgabe hätte. Ich war begeistert und habe die Gelegenheit beim Schopf gepackt.

Nach Ihren beiden Jahren beim SC Langnau wechselten Sie 1989 aus dem Emmental ins Allgäu. Welche Erinnerungen kommen in Ihnen hoch, wenn Sie an Ihre Zeit in Kaufbeuren denken?

Kaufbeuren wird für immer ein ganz besonderer Ort für mich sein. Nachdem ich zwei Jahre in der Schweiz gespielt hatte, besaß ich keine Vorstellung wie es sein würde, in Deutschland zu leben und zu spielen. Ich war sehr nervös, wurde aber von der Mannschaft, von den Fans und von der Stadt großartig aufgenommen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich am ersten Tag in die Umkleidekabine kam und dort von Trainer Florian Strida und Kapitän Manfred Schuster begrüßt wurde. Alle waren überaus freundlich zu mir und ich fühlte mich vom allerersten Augenblick an als Teil der Mannschaft. Es war eine ganz besondere Zeit. Wir liebten auch das Leben in Bayern. Es galt so viele wunderbare Orte zu besuchen und so viele freundliche Menschen kennenzulernen. Und am wichtigsten ist, dass ich damals zum ersten Mal deutsches Bier genoss. Noch heute liebe ich den Geschmack eines Weizens.

Der Name Paul Geddes besitzt bei den Anhängern des ESVK noch immer einen hervorragenden Ruf. Entsinnen Sie sich der Kaufbeurer Fans und der Atmosphäre am Berliner Platz?

Schon beim allerersten Heimspiel wurde mir klar, dass die Kaufbeurer Fans sehr leidenschaftlich sein würden. Sie liebten ihre Mannschaft und es hat mich stets sehr beeindruckt, wie sie das ganze Spiel über singen und uns anfeuern konnten. Mir gefiel diese Leidenschaft überaus und ich bin überzeugt, dass sie mich dazu motivierte, in jedem Spiel mein Bestes für den ESVK zu geben. Ich fühlte mich vom Kaufbeurer Publikum immer getragen, unterstützt und geschätzt. Selbst wenn ich nicht gut spielte, klopften mir die Anhänger auf die Schulter und sie sagten mir, dass das nichts ausmache und das nächste Spiel wieder besser laufen würde. Ihre tolle Unterstützung werde ich niemals vergessen.

Ist Ihnen zu Ohren gekommen, dass unsere altehrwürdige Halle abgerissen werden muss und dass derzeit eine neue Arena entsteht?

Nein, das wusste ich nicht. Einen Teil von mir macht es traurig zu hören, dass das Stadion am Berliner Platz abgebrochen wird, weil ich es mit vielen besonderen Erinnerungen in Verbindung bringe. Ein anderer Teil von mir aber freut sich, dass der Verein und seine Anhänger eine moderne Arena, in der sie neue Erinnerungen hervorbringen können, bekommen werden.

Ihr früherer Mannschaftskamerad Dieter Medicus sagte mir kürzlich, dass er sich sehr gerne an Sie erinnere. Sie seien ein Vorzeigeprofi gewesen und hätten als tolles Kämpferherz die ganze Mannschaft mit ihrer perfekten Einstellung mitgerissen. Wer ist Ihnen im Gedächtnis geblieben?

Ich hatte das Glück, in Kaufbeuren auf so viele Leute mit hoher individueller Klasse zu treffen, dass ich gar nicht alle erwähnen kann. Natürlich werde ich Pit Ustorf immer dankbar dafür sein, dass er mir die Chance gegeben hat, in Kaufbeuren zu spielen. Auch Florian Strida werde ich niemals vergessen. Ich bin in meiner Laufbahn für viele Trainer aufs Eis gegangen, aber Florian kommt eine herausragende Bedeutung zu. Er verfügte über einen exzellenten Sachverstand und behandelte seine Spieler darüber hinaus stets mit Respekt und Klasse. Betreffs meiner Mitspieler war es mir eine große Freude, mit der Kaufbeurer Stadtmauer zusammenzuspielen. Ich denke sehr gerne an Dieter Medicus und Manfred Schuster, aber auch an meine guten Freunde Ian Wood und Rudi Sternkopf sowie natürlich auch an meinen Center Jim Hoffmann, der mir immer den Puck zuspielte.

Sie brachten in Kaufbeuren zwei Spielzeiten lang hervorragende Leistungen. Die erste Saison nahm allerdings einen traurigen Ausgang.

Das 4:5 gegen Freiburg nach einer 4:1-Führung stellte für mich eine große Enttäuschung dar. Nicht nur wegen der Niederlage, sondern auch weil ich an jenem Abend nicht meine beste Leistung abrufen konnte. Obwohl mir ein Tor gelang, spürte ich tief in mir, dass ich mehr hätte beitragen können, das Spiel zu gewinnen und uns zurück in die Bundesliga zu bringen. Was ich allerdings nicht vergessen werde, ist das erstaunliche Verhalten der Fans, die uns trotz des enttäuschenden Ergebnisses versicherten, dass sie uns auch in der folgenden Saison wieder voll unterstützen würden.

Da gelang dann auch die Rückkehr in die Bundesliga und Sie waren einer der Schlüsselspieler.

Der Aufstieg mit dem ESVK in die Bundesliga stellt einen der stolzesten Augenblicke in meiner Spielerlaufbahn dar. Nach der Enttäuschung der Vorsaison mit dem knapp verpassten Wiederaufstieg arbeiteten wir in jenem Jahr sehr hart und es gelang uns tatsächlich, die Aufstiegsrunde als Tabellenerster abzuschließen. Ich war ganz besonders deshalb sehr stolz auf die Mannschaft, weil sie keine Stars hatte. Da war schlicht und einfach ein ganzes Team, das zusammenarbeitete, um sein Ziel zu erreichen. Mich machte der Erfolg für die Fans, für den Vorstand und für die Spieler sehr glücklich. Der ESVK kehrte in die Bundesliga zurück und da gehörte er auch hin.

Ich tat mir dann allerdings sehr schwer damit, dass Ihr Vertrag nicht verlängert wurde.

Natürlich war ich enttäuscht, dass mir nicht die Gelegenheit gegeben wurde, für den ESV Kaufbeuren in der Bundesliga zu spielen, verstand aber auch, dass im Sport manchmal schwierige Entscheidungen getroffen werden müssen. Beim Verein war man der Meinung, einen anderen ausländischen Spieler zu finden, der der Mannschaft mehr helfen konnte als ich. Ich war mit der Entscheidung nicht einverstanden, aber ich respektierte sie. Wie ich bereits erwähnt habe, empfand ich hohen Respekt für Pit Ustorf und den Vorstand. Der Abschied von Kaufbeuren machte mich traurig, aber ich schätzte es sehr und ich war auch dankbar dafür, was man für mich in meinen beiden Kaufbeurer Jahren getan hatte.

Paul, möchten Sie noch ein paar Worte an den ESVK und seine Anhänger richten?

Ich wünsche der Mannschaft und den Fans ganz viel Glück und ich hoffe, dass die Zukunft in der neuen Arena dem ESVK viele Tore und Siege bescheren wird. Am wichtigsten aber ist mir, allen von ganzem Herzen für die wunderbaren Erinnerungen an meine Kaufbeurer Zeit zu danken.