Land it lugg (4)

Bua Mädla, dau kria mer Händl – eine für den Nichteingeweihten verquer klingende Widersprüchlichkeit wohnt diesem Satzanfang inne, wird doch ein junger Mensch vermeintlich in einem Atemzug als Bub und als Mädchen angesprochen. Das erscheint merkwürdig, verwirrend, ja paradox, ist gleichwohl aber sinnvoll, denn Bua heißt zwar in aller Regel genau das, was man auf Anhieb vermutet, also Bub, im vorliegenden Zusammenhang aber folgt es seiner zweiten Bedeutung, nämlich ein Ausdruck zu sein, der einer vorausgehenden oder nachfolgenden Aussage Nachdruck verleihen möchte.

Bua Mädla – damit ist also ausschließlich ein Mädchen gemeint, das durch den Ausruf bua allerdings ausdrücklich auf die Dringlichkeit des zur Sprache kommenden Anliegens aufmerksam gemacht werden soll. In Kenntnis dessen lässt sich die zunächst im Raum stehende Verwirrung also sogleich wieder auflösen, auch wenn für den Nichtschwaben trotzdem ein Hauch des Paradoxen zurückbleiben mag. Aber ist nicht das Paradoxe ohnehin anregend und auf seine Art liebenswert?

Ein Grund mehr, die Eigenheiten unserer schönen Mundart sorgsam zu pflegen und tunlichst zu bewahren. Bua, mir soddat fescht auf eiser Schprauch Obacht geah. Sooscht weat eis des hendanauch noh amaul arg ruia.