Sieben auf einen Streich

Alter Schwede. Sieben auf einen Streich. Eine kleine Ewigkeit ist das her, dass einem Kaufbeurer Eishockeyspieler dieses außergewöhnliche Kunststück gelang. Dreiundvierzig Jahre, um genau zu sein. Und es war tatsächlich ein Schwede, der seinerzeit den DSC Kaiserberg mit sieben Treffern abschoss. Na ja, nicht ganz im Alleingang. Schließlich schenkte der ESVK seinen ambitionierten Gästen aus dem Pott gleich vierzehn Stück ein, was für sich schon bemerkenswert genug gewesen wäre, redete doch das Duisburger Eishockey damals ein ganz gewichtiges Wörtchen in der Spitzengruppe der zweiten Bundesliga mit. Vollends denkwürdig aber wurde der Abend des vierzehnten Dezember fünfundsiebzig durch den phantastisch aufspielenden Schweden Kaj Nilsson, dessen sieben Buden eine einmalige Leistung darstellten und ein bisschen Balsam für die rotgelbe Seele dazu.

Gerade einmal neun Tage zuvor hatte der ESV Kaufbeuren nämlich das fulminante Zweitligagipfeltreffen gegen den großen Rivalen aus Augsburg denkbar knapp mit 5:6 verloren. Vor sage und schreibe achttausend elektrisierten Eishockeyfans am völlig überfüllten Berliner Platz, der aus allen Nähten platzte und zu bersten drohte. Ein brodelnder Hexenkessel aus fünftausend rotgelb und dreitausend rotgrünweiß pochenden Herzen, die das auf- und abwogende Wertachderby in Aufruhr versetzte.

Da kamen die Duisburger Gäste um den Kanadier Bobby Riess dem ESVK gerade recht, um sich nach einem zwischenzeitlichen 6:5-Erfolg bei der SG Nürnberg den Frust vollends von der Seele zu schießen. Apropos Bobby Riess. Der langmähnige Brecher hatte uns anderthalb Jahre zuvor in die Bundesliga geführt, aus der wir dann aber sang- und klanglos wieder abgestiegen waren. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Bobby Riess wegen eines Beinbruchs ein ganzes Spieljahr ausgesetzt und dem ESVK im Oberhaus fürchterlich gefehlt hatte. Als Bobby dann 1975 endlich wieder auf den alten Kontinent zurückkehrte, schloss er sich zur großen Enttäuschung der Kaufbeurer Anhängerschaft dem DSC Kaiserberg an. Ein Hüne mit einem gewaltigen Schlagschuss. Charismatisch. Technisch versiert. Torgefährlich. Auch am vierzehnten Dezember fünfundsiebzig, als er alle drei Duisburger Treffer markierte, die an jenem Eishockeyabend für die Geschichtsbücher aber nichts waren im Vergleich zu den sieben Toren des jungen schwedischen Edeltechnikers Kaj Nilsson, der für eine Saison vom Berliner Schlittschuhclub ins Allgäu gekommen war, um sein raffiniertes Passspiel am Berliner Platz aufzuziehen.

Dreiundvierzig Jahre ist das her. Sich auf diese kleine Zeitreise in die Kaufbeurer Eishockeyvergangenheit zu begeben, aber hat seinen Grund. Und für den ist wiederum ein Skandinavier verantwortlich. Nein, kein Schwede. Weder ein alter noch ein junger. Vielmehr ein Finne, der zwar im schwedischen Örnsköldsvik geboren ist, doch tut dies nichts zur Sache. Sami Blomqvist heißt der Teufelskerl, dem am einundzwanzigsten Oktober beim begeisternden 9:2 gegen den Deggendorfer SC sieben auf einen Streich gelangen. Ein Vollblutstürmer. Pfeilschnell. Brandgefährlich. Eine echte Rakete und ein Techniker vor dem Herrn. Es macht verdammt Spaß, ihm beim Eishockeyspielen zuzuschauen, und sein geschichtsträchtiger Geniestreich gegen den DSC aus Niederbayern wird ebenso unvergesslich bleiben wie Kaj Nilssons großer Wurf gegen den DSC von der Ruhr.

Trotz allem aber sollten wir nicht vergessen, dass es auch und gerade die Mitspieler sind, die die herausragende Stärke des Einzelkönners zum Tragen bringen. Kaj Nilsson hatte seinerzeit den großen alten Jo Scholz, Mandi Hubner, Alfred Lutzenberger, Gerhard Schuster, Rudolf Uhrle und auch schon den blutjungen Dieter Medicus an seiner Seite. Sami Blomqvist kann sich auf Branden Gracel, Joey Lewis, Jere Laaksonen, Stefan Vajs und auf all die anderen leidenschaftlichen Burschen verlassen, die dem treuen rotgelben Anhang unter der fachkundigen Anleitung des sympathischen Trainerfuchses Andreas Brockmann das Herz im Leibe hüpfen lassen und der Eishockeyhochburg Kaufbeuren wieder den Respekt verschaffen, der ihr gebührt. Und selbst der langzeitverletzte Kapitän und Leitwolf Sebastian Osterloh wird wieder alles ihm Mögliche in die Waagschale werfen, um die Mannschaft, die im Kaufbeurer Eishockey seit jeher der Star ist, zu unterstützen.